Abgeordnetenhauswahl
2026
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Frage2/5
Öffentlicher Raum

Belebte Plätze,
(un)sichere Plätze?

Unsere Frage an die Parteien

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie an belebten und beliebten öffentlichen Plätzen, die oft auch „kriminalitätsbelastete Orte“ (kbO) sind, die Sicherheit erhöhen?
Bitte nennen Sie die drei wichtigsten Maßnahmen und begründen diese.

Antworten der Parteien - unsere Zusammenfassungen (in Reihenfolge der Fraktionsgrößen im AGH vor der Wahl 2026)

Christlich Demokratische Union

Die CDU setzt auf eine Kombination aus erhöhter Polizeipräsenz, moderner Technik und besserer Ausstattung.

Dazu gehören mehr Videotechnik und der Einsatz intelligenter Systeme, verdachtsunabhängige Kontrollen, mehr Flexibilität bei der Festlegung kriminalitätsbelastender Orte durch die Polizei und eine Polizeiwache am Leopoldplatz. Sie soll vor allem die dortige Drogenkriminalität bekämpfen.

Hier verweist die CDU auf die positive Wirkung der von ihr eingeführten Polizeiwache am Kottbusser Tor. Sie habe zu einem Rückgang der Kriminalität und einem verbesserten Sicherheitsgefühl geführt.

Sozialdemokratische Partei Deutschlands

Die SPD will die Sicherheit an belebten Plätzen erhöhen durch:

1) Prävention und soziale Infrastruktur stärken: Weil Sicherheit nicht allein durch die Polizeipräsenz entstehe, setze die SPD auf Streetworker:innen und Community Policing.

2) Evidenzbasierte Kriminalpolitik und parlamentarische Kontrolle: Die Einstufung der kbOs unterliege einer regelmäßigen parlamentarischen Kontrolle. Die SPD will Berlin zum Wegweiser einer evidenzbasierten Sicherheits- und Kriminalpolitik machen.

3) Städtebauliche Kriminalprävention und Aufenthaltsqualität: Die SPD nutze Strategien der städtebaulichen Kriminalprävention. Plätze sollten attraktiv und gut beleuchtet sein und soziale Angebote haben. Es soll auch flexible Nachtbushaltestellen geben.

Bündnis 90/Die Grünen

Bündnis 90/Die Grünen schreiben, man müsse Sicherheit und Soziales zusammendenken. Soziale Probleme könnten nur sozial gelöst werden. Deshalb fordern sie eine gesamtstädtische Strategie, die die soziale Infrastruktur an Brennpunkten gezielt stärke.

Für die Bündnisgrünen ist Sicherheit ein Dreiklang aus sozialen Maßnahmen, der Verbesserung der Aufenthaltsqualität und polizeilicher Präsenz.

Zu den sozialen Maßnahmen gehörten Konsumräume, Streetwork-Teams, kürzere Wartezeiten für Therapieplätze, niedrigschwellige Angebote und Housing First.

Ergänzt würde dies durch polizeiliche Maßnahmen, wozu Präsenz und Ansprechbarkeit der Polizei vor Ort und Austauschplattformen mit Ämtern, Gewerbetreibenden und Akteur:innen vor Ort gehörten.

Die Bündnisgrünen wollen die kbOs und Waffenverbotszonen überprüfen und gegebenenfalls abschaffen.

Die Linke

Die Linke lehnt das Konzept der kbOs als Grundlage für polizeiliche Befugnisse ab. Sie verweist auf die Gefahr des auch unbewussten Racial Profilings. Deshalb müssten Kontrollen an das Verhalten der Betroffenen geknüpft sein und dokumentiert werden.

Für die Partei ist Prävention wichtiger als Repression. Im Einzelnen will sie:

Die aufsuchende Sozialarbeit und Suchthilfe stärken

Städtebauliche Kriminalprävention durch eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität auf öffentlichen Plätzen fördern

Mehr direkt ansprechbare Polizeibeamt:innen auf der Straße. Sie könnten, im Gegensatz zu Videokameras, Kriminalität verhindern.

Alternative für Deutschland

Die AfD fordert eine vollständige Videoüberwachung aller Brennpunktbereiche, eine Ausweitung der kriminalitätsbelasteten Orte mit erweiterten polizeilichen Befugnissen. Explizit nennt die Partei anlasslose Personenkontrollen und Durchsuchungen.

Zweitens ist sie für eine dauerhafte sichtbare Präsenz in Problemvierteln, mehr stationäre Wachen und mehr Personal bei der Polizei und den Ordnungsämtern.

Drittens ist die AfD für eine konsequente „Remigrationspolitik“ (die AfD benutzt diesen Begriff explizit in ihrer Antwort) von ausländischen Straftäter:innen und Gefährder:innen ohne Aufenthaltsrecht. Sie müssten in einem beschleunigten Verfahren abgeschoben werden.

Humanistische Union Unsere Position

Die HU lehnt das Konzept der „kriminalitätsbelasteten Orte“, an denen die Polizei besondere Befugnisse hat, ab. Zu diesen Befugnissen gehören verdachtsunabhängige Identitätsfeststellungen und Durchsuchungen von Personen und Sachen.

Polizeiliche Maßnahmen darf es nicht nur aufgrund eines „polizeilichen Bauchgefühls“ geben. Das führt in der Realität zu leicht zu Racial Profiling.

Die Probleme, die sich an beliebten und belebten Plätzen, wie dem Alexanderplatz und dem Bahnhof Zoologischer Garten, in Parks und Ausgehvierteln zeigen, sind vor allem soziale Probleme. Sie werden idealerweise an erster Stelle mit sozialen Maßnahmen, an zweiter Stelle mit baulichen und die Aufenthaltsqualität steigernden Maßnahmen und erst anschließend mit polizeilichen Maßnahmen gelöst.

Weil polizeiliche Maßnahmen allein soziale Probleme nicht beseitigen, sondern nur verdrängen, sind sie nur eine Scheinlösung.

Zu den sozialen Maßnahmen gehören Programme gegen Obdachlosigkeit, wie Housing First, Orte, Begegnungsorte, Konsumräume für Drogenabhängige und Streetworker:innen-Teams.

Auch für Jugendliche muss es Jugendhäuser und andere Orte geben, an denen sie sich aufhalten können.

Zu den die Aufenthaltsqualität fördernden Maßnahmen gehören die städtebauliche Gestaltung der Orte, wie die Beleuchtung, der Abbau dunkler, nicht oder nur schlecht einsehbarer Ecken, Sauberkeit, soziale Angebote ohne einen Konsumzwang, offene Geschäfte und Gaststätten.

Zu den polizeilichen Maßnahmen gehören die Präsenz und Ansprechbarkeit von Polizeibeamt:innen vor Ort. Videokameras können bei der Aufklärung von Straftaten, aber nicht bei der Verhinderung von Straftaten helfen. Das können nur Menschen.

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